Heute bleibt die Küche kalt,… der Heimdienst bringt das Essen bald!

by Jannick on September 15, 2010

Wer keine Lust hat, den Herd anzuschmeissen und selbst zu kochen, muss trotzdem nicht das Haus verlassen und schon gar nicht nach Wien in den Wald gehen, um etwas Warmes und Leckeres zu Essen zu bekommen. Man kann sich ja so ziemlich jedes Gericht, das einem einfällt, auch mit dem Heimdienst liefern lassen. Wann ging das eigentlich los, dass man Essen zu sich nach Hause bestellen kann?

Mit dem nötigen Kleingeld konnte man sicher zu allen Zeiten schon alles das, was man kaufen konnte, auch zu sich nach Hause bringen lassen. Wenn man frisches heißes Essen wollte, ging dies aber wohl nur, wenn der Koch entweder direkt um die Ecke wohnte, oder wenn der Koch im Heimdienst gleich mit inbegriffen war und das Essen vor Ort zubereitete. Überhaupt machte diese Art des Heimdienstes nur Sinn, wenn man schon ausreichend vorher wusste, wann man Hunger bekommen wird. Denn zuerst musste ein Bote losgeschickt werden, um die Bestellung aufzugeben.
Den ersten Pizza-Heimdienst soll sich die italienische Königin Margherita in Neapel geleistet haben. Da Pizza als arme Leute Essen galt, konnten oder wollten ihre persönlichen Köche nicht den Wunsch der Königin nach diesem Gericht erfüllen. Angeblich wurde dann der beste Pizzabäcker von Neapel, Raffaele Esposito, beauftragt, der dann im Jahre 1889 die Pizza Margherita für sie erfand und sie ihr servierte. Laut Historikern ließ sich die Königin jedoch schon 1880 von verschiedenen Pizzabäckern beliefern, Esposito war aber als einziger so schlau, die Empfangsbestätigung aufzuheben. So oder so handelte es sich bei diesem Heimdienst um einen äußerst exklusiven Lieferservice, den ein einfacher Untertan sicher nicht nutzen konnte.
Ein Lieferservice, wie wir ihn heute kennen, ist nur mit modernen Transport- und Kommunikationsmitteln vorstellbar.

Regelmäßige Essenslieferungen, bei denen nicht unbedingt zeitnah bestellt werden muss, haben sich dabei, verständlicherweise, schon früher etabliert. In England entstand schon 1943 der Service „Meals on Wheels“, der sich nicht an die reichsten, sondern an alte und pflegebedürftigte Menschen richtete. Im Jahr 1961 kam die Idee in Deutschland an, wo von der Urbanstraße in Berlin aus Kreuzberger Rentner mit warmen Mahlzeiten versorgt wurden.

Heute haben die meisten Menschen in Deutschland ihre ersten Heimdienst-Erfahrungen wohl mit dem Pizzaservice gemacht. Zunächst konnte man nur vorher schnell durchklingeln, damit die Pizza, wenn man sie selbst abholte, schon fertig war. Seit den 80er Jahren gibt es aber zunehmend den Pizzaboten, der einem die Pizza nach Hause lieferte. Wenn man Glück hatte, war sie dann sogar noch heiß. Mittlerweile hat sich die Idee verbreitet und durchgesetzt. Wie schon gesagt, kann man sich fast jede kulinarische Spezialität bringen lassen, sogar die Spezialitäten aus dem oben genannten Wald. Durch die gestiegene Konkurrenz darf man heute auch höhere Ansprüche an Service und Qualität stellen.

Dank des Internets sind wir beim Heimdienst jetzt sogar noch eine Stufe weiter. Im Netz finden wir Portale, die Lieferservice-Anbieter vermitteln und uns einen Überblick bieten, bei wem wir alles bestellen könnten. Und wenn wir dann online bestellen und am besten auch noch online bezahlen, haben wir etwas später unsere heiße Pizza oder unsere kalten Sushi oder worauf auch immer wir Appetit haben vor uns stehen, ohne dabei auch nur ein einziges Mal mit jemandem aus dem Restaurant geredet zu haben. Aber vielleicht ist ja auch das ganz gut so. Manche Leute werden ja ziemlich unausstehlich, wenn sie Hunger haben.

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